Hochfranken-Feuilleton
Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige.  (Voltaire)

Aktuell

55. Internationale Hofer Filmtage
Der Eröffnungsfilm: Das Schwarze Quadrat

26. Oktober, Freiheitshalle, Großes Haus
Mutig und klangmächtig setzen die Hofer Symphoniker bei ihrem zweiten Hofer Konzert auf Musik der vergangenen hundert Jahre. Drei Werke - von Copland, Gershwin, Bernstein - stammen aus den USA. Im Zentrum des Abends fesseln Matthias und Tillmann Höfs mit einem originellen Doppelkonzert für Trompete und Horn von Wolf Kerschek; der, ein Hamburger, vervollkommnete sein Können in Amerika.

Weitere Produktionen des Theaters Hof:
Die Ensembles des Hauses holen zurzeit und in den kommenden Wochen Vorstellungen von Produktionen nach, die während der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie zwar geprobt wurden, aber nur selten oder gar nicht öffentlich gezeigt werden konnten. Über sie hat
ho-f bereits (in der Regel nach Besuch der Generalproben) berichtet. Sie finden die Rezensionen auf den jeweiligen Unterseiten Schauspiel und Musiktheater, wenn Sie nach unten scrollen. Auf dem PC können sie auch mit der Tastenkombination strg+f die Suchfunktion aktivieren, ins Suchfenster das Hauptwort des Stücktitels eintragen und die Eingabetaste drücken.


Eckpunkt
Aktivisten des Lichts

Von Curiander

26. Oktober  „Lux – Krieger des Lichts“ hieß vor vier Jahren einer der unerwarteten Lieblingsfilme des Hofer Filmtage-Publikums. In der famos bitteren Satire des Mainzer Regisseurs Daniel Wild klettert ein einzelgängerischer Loser in ein Superhelden-Kostüm Marke Eigenbau und streift durch die Kieze der Berliner Nacht; auf seine Weise will er die verkehrte Welt besser machen. Aber Lux, das kleine Licht, fällt auf: Ein Fernsehteam putscht sein „Weltpolizei-Ding“ zur großen Show hoch, manipuliert ihn erst und demontiert ihn schließlich. Erschiene der underdog in diesem Oktober abermals auf den Hofer Leinwänden, er gäbe eine Allegorie fürs Kino und für die 55. Internationalen Filmtage ab, die am heutigen Dienstag an den Start gehen. Die Corona-Pandemie drehte, wie der öffentlichen Kultur allgemein, auch den Filmtheatern das Licht aus; glücklicherweise mussten bisher weniger schließen, als anfangs zu befürchten stand. Auch teilt die Branche mit, nicht wenige, die sich während der Pandemie-Wellen ans Angebot der Streaming-Dienste gewöhnt und es sich daheim damit gemütlich gemacht haben, kehrten nun gern in die öffentlichen Schauräume zurück. Eine verkehrte Welt rückt sich gerade. Zu verdanken ist das nicht zuletzt den hartnäckigen Kämpfern in vielen bundesrepublikanischen, auch in den Hofer Häusern: Ein gutes - schlimmes - Jahr lang setzten sie alles daran, den Kopf über Wasser zu halten, das ihnen bis zum Hals stand. In den wieder geöffneten Lichtspielhäusern scheint der Neustart gelungen, aber das Weitermachen fällt nicht leicht. Nur mit Gesundheitsnachweis darf Publikum die Säle besetzen, muss aber keine Masken mehr tragen. Das neue, ansehnliche „James Bond“-Abenteuer als dringlich erwarteter Blockbuster scheint vorsichtige Hoffnungen auf ein durchschlagendes Comeback des Kinos zu erfüllen; freilich wird ein solcher Renner allein nicht reichen. Durchhaltevermögen war und bleibt von Regisseuren und Darstellerinnen, Verleihern wie Kinobetreiberinnen gefragt; eindrucksvoll bewies und beweist die Branche es, auch das Hofer Festival. Selbst unter zuvor ungekannt widrigen Bedingungen ließ das Team um Thorsten Schaumann im Herbst 2020 die 54. Filmtage stattfinden, ungeachtet des finanziellen Risikos und, zugegeben, bei teilweisem Verzicht auf jene Aura einer familiären Unaufgeregtheit, die an der Saale bekanntermaßen einzigartig ist. Heuer, bei wieder steigenden Inzidenzen, aber fallenden Hygieneregeln, will das Filmfest auch atmosphärisch wieder an die Vor-Corona-Jahre anschließen. Abermals hybrid – also zugleich mit Präsenz-Vorführungen und Online-Angebot – wirds weitergehen; die Mischform konnte im vergangenen Jahr überzeugen. Zu den vielen Auszeichnungen, die zu verleihen sind, kommen zwei weitere hinzu – bis 1985 gab es in Hof keinen einzigen Preis –; ansonsten scheinen die Organisatoren daran festzuhalten, das Festival nicht zur Show im Breitwandformat aufzublähen, sondern aufs bewährte Konzept zu bauen: Es besagt, dass es im ungroßstädtischen Home Of Films, bei erfreulich kurzen Wegen, in erster Linie um Filme und nicht Flitter, um Menschen und nicht um Outfits, um Regiekunst und nicht um einen roten Teppich, dafür auch um Fußball und Bratwürste geht. Lux, der halbe Superheld aus Daniel Wilds (2017 mit dem Heinz-Badewitz-Preis prämiiertem) Filmdebüt, steht fürs Hofer Filmfest und fürs Kino überhaupt, das wie die Berliner Nacht ungreifbar aus nichts als Schein und Schimmer besteht: Seine Macher sind keine „Krieger“, aber Aktivisten des Lichts. ■

Frühere Kolumnen im Eckpunkte-Archiv.

Rückblick

23. Oktober, Freiheitshalle, Konferenzbereich
Der Gang zum „Italiener“ für ein leckeres, nicht allzu teures Abendessen - heute hierzulande für viele eine Selbstverständlichkeit. Das war indes keineswegs immer so. Der in Hof geborene Kulturwissenschaftler Professor Dieter Richter zeichnet in seinem neuen Buch Con gusto die„kulinarische Geschichte der Italiensehnsucht“ nach. Die Präsentation war ein delikates Ereignis.

23. Oktober, Bayreuth, Studiobühne
Ein hochempathisches Ensemble zeigt mit Vater, was Florian Zellers gefeiertes Kinodebüt „The Father“ ursprünglich war und ist: ein bewegendes Bühnenstück. In Anja Dechant-Sundbys mutig illusionsloser Inszenierung imponiert Wolfram Ster als alter Herr, der durch Demenz den Verstand verliert. Zugleich verliert seine Tochter, rücksichtsvoll, doch überfordert, den geliebten, doch belastenden Papa.

 



Theater Hof

Schauspiel
Anna Viehmann
Schlafen Fische?

Der Sturm
Mutter Courage und ihre Kinder
Willkommen
Toulouse
Der Rest
Othello
Die Känguru-Chroniken
Florence Foster Jenkins
Kanzlist Krehler
Status quo
Goldszombies
Terezín

Musiktheater
Medea
Der Prozess
Chaplin (Ballett)
Der kleine Muck (Ballett)
Chicago
Wiener Blut
Hexen
The Cold Heart


Bayreuther Festspiele:
Der fliegende Holländer
Tannhäuser
Die Meistersinger von Nürnberg
Die Walküre

Luisenburg-Festspiele (Wunsiedel):
Der Name der Rose (Musical)
Faust I

Vogtlandtheater (Plauen):
Der zerbrochene Keug
RemIXed (Beethovens Neunte)
Woyzeck

Studiobühne Bayreuth:
Vater
Die Zukunft war früher auch besser
Das Liebeskonzil

Konzert
zuletzt
Hofer Symphoniker: Matthias und Tillmann Höfs mit Wolf Kerscheks „Vier Elementen“
Hofer Symphoniker: William Youn mit Mozarts „Jeunehomme“-Konzert
Kammerchor Hof: Antonín Dvořáks Messe opus 86
Kulturwelten Helmbrechts: Beethoven meets Tango
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Film und Fernsehen
zuletzt
James Bond 007: Keine Zeit zu sterben
Dune
The Father
Nomadland

Anderes
zuletzt
Con gusto:
Dieter Richter über die Deutschen und die italienische Küche
Die Eroberung Amerikas:
Franzobel liest in Hof aus seinem neuen Roman
Es geht auch ohne Beethoven: Die „zehnte Symphonie“ aus dem Computer
Bücher & Musik: Kurzrezensionen
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Essay  
zuletzt
Man muss ihn nicht mögen
Napoleon zum 200. Todestag
In den Städten der Toten

Katakomben in Rom, Paris, Wien
Nichts wie weg
Über die Panik
Verständige Weiber
Zum Internationalen Frauentag
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Bald kommt das neue Buch

VERPESTETE BÜCHER - Elf literarische Epidemien und ein Epilog von Michael Thumser. Mit Buchschmuck von Stephan Klenner-Otto. Verlag Tredition, Hamburg, 172 Seiten, gebunden 16,99, als Paperback 8,99, als E-Book 2,99 Euro.
Die passende Serie in den Jahren der Corona-Pandemie: Zehn Teile und einen (dreiteiligen) Epilog umfasste unser Überblick über Romane und Erzählungen der deutschsprachigen und der Weltliteratur, in denen Seuchen eine Hauptrolle spielen. Bald werden alle Teile als Buch herauskommen, vermehrt um ein ausführliches, noch nicht veröffentlichtes Kapitel über den Roman „Der letzte Mensch“ der „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley.

 

Weiterhin
im Buchhandel erhältlich

WIR SIND WIE STUNDEN - Neunzehn Essays von Michael Thumser. Verlag Tredition, Hamburg, 340 Seiten, gebunden 21,99, als Paperback 12,99, als E-Book 2,99 Euro.

Mehr oder weniger handeln alle hier versammelten Texte von Zeit und Geschichte, Fortschritt und Vergänglichkeit, von Werten und Werden, Sein und Bleiben, von Wandel und Vanitas. Zwischen 2010 und 2020 entstanden, wollen sie als Essays gelesen werden, folglich weniger als Beiträge zu den Fachwissenschaften, mit denen sie sich berühren, denn als schriftstellerische Versuche. Formal handelt es sich um sprachschöpferische Arbeiten eines klassischen Feuilletonisten, inhaltlich um Produkte von Zusammenschau, Kompilation und Kombination, wobei der Verfasser Ergebnisse eingehender Recherchen mit eigenen Einsichten und Hypothesen verwob, um Grundsätzliches mitzuteilen und nachvollziehbar darüber nachzudenken.

Rezension in der
Frankenpost: hier klicken.


Als zweite, durchgesehene Ausgabe
in neuer Aufmachung:

DER HUNGERTURM - Dreizehn Erzählungen von Michael Thumser. Verlag Tredition, Hamburg, 288 Seiten, gebunden 19,99, als Paperback 10,99, als E-Book 2,99 Euro.

Von Paaren handeln etliche der dreizehn Geschichten in diesem Band: von solchen, die auseinandergehen, von anderen, die „trotz allem“ beieinanderbleiben, von wieder anderen, die gar nicht erst zusammenfinden. Dass die Liebe auch bitter schmecken kann, ahnen oder erfahren sie. Sich selbst und der Welt abhanden zu kommen, müssen manche der Figuren  fürchten, den Kontakt zu verlieren, allein zu sein oder zu bleiben und nichts anfangen zu können, nur mit sich. Manche haben ihren Platz ziemlich weit fort von den anderen, zum Beispiel hoch über ihnen wie der namenlose Protagonist der Titelerzählung "Der Hungerturm". Irgendwann freilich werden sie aufgestört von der halb heimlichen Sehnsucht, mit jemandem zu zweit zu sein. Bei anderen genügt ein unerwarteter Zwischenfall, dass der Boden unter ihren Füßen ins Schwanken gerät und brüchig wird. Und es gibt auch welche, denen die Wirklichkeit in die Quere kommt, weil sie ein Bild von sich und Ziele haben, die nicht recht zu ihnen passen.
Knapp und zielstrebig, bisweilen in filmartig geschnittenen Szenen und Dialogen berichten die zeitlosen Erzählungen davon, wie aus Unspektakulärem etwas Liebes- und Lebensbestimmendes, mitunter Tödliches erwächst.